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Festival

Kohle gegen Kunst: wie ein Festival entstand

Im Hungerwinter 1946 holten zwei Hamburger heimlich Kohle aus Recklinghausen. Das Dankeschön der Theater wurde zu Europas ältestem Theaterfestival — und steht bis heute auf dem Grünen Hügel.

von RUHRLOKAL Redaktion · 4 Min. Lesezeit
Leerer Zuschauerraum eines Theaters von der Bühne aus, rote Sitzreihen, eine einzelne Arbeitsleuchte

Jede Stadt hätte gern eine Gründungsgeschichte wie diese. Recklinghausen hat sie wirklich, und sie handelt von gestohlener Kohle.

Der Winter, in dem die Theater froren

Im kalten Nachkriegswinter drohte den Hamburger Theatern die Schließung: Es fehlte an Heizmitteln. Also fuhren der Verwaltungsdirektor der Hamburger Theater, Otto Burrmeister, und der Betriebsratsvorsitzende der Hamburgischen Staatsoper, Karl Rosengart, ins Ruhrgebiet.

Von der Autobahn aus sahen sie die Schlote der Zeche König Ludwig 4/5 in Recklinghausen — und fragten die Bergleute dort nach Kohle. Heimlich, an den Besatzungsmächten vorbei, luden die Kumpel die Lastwagen voll. In Hamburg wurde es wieder warm.

Das Dankeschön

1947 kamen die Hamburger zurück, diesmal mit Schauspielern: Dankgastspiele für die Bergleute in Recklinghausen, zwei Stücke von Tschechow, dazu Tolstoi und Donizetti. Aus dem Dankeschön wurde eine Einrichtung. 1948 gründeten der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Stadt Recklinghausen zu gleichen Teilen die Gesellschaft, die das Festival trägt — diese Konstruktion aus Gewerkschaft und Kommune ist bis heute die Besonderheit der Ruhrfestspiele.

Der Rest liest sich wie eine Chronik der Bundesrepublik: 1951 eröffnete Bundespräsident Theodor Heuss das Festival, 1952 kosteten Eintrittskarten für Gewerkschafter 3,70 Mark. 1954 tourte „Nathan der Weise" durch 16 Städte in NRW, 1955 spielte Will Quadflieg den Hamlet. Heuss gründete 1959 die „Freunde der Ruhrfestspiele" und wurde Ehrenbürger der Stadt.

„Zwei Männer, ein Blick von der Autobahn auf die Schlote — und daraus wurde Europas ältestes Theaterfestival."

Das Haus auf dem Grünen Hügel

Gespielt wurde zunächst im Städtischen Saalbau. 1960 setzte Alt-Bundespräsident Heuss den ersten Spatenstich für ein eigenes Festspielhaus, 1961 legte sein Nachfolger Heinrich Lübke den Grundstein, 1965 war es fertig. Vor dem Haus steht bis heute eine Bronzeplastik von Henry Moore — der Bildhauer, Sohn eines Bergmanns aus Yorkshire, kam persönlich nach Recklinghausen, um den Standort festzulegen.

Eine Fußnote, die im Vest zusammenpasst: Derselbe Henry Moore hatte in England eine junge deutsche Künstlerin zum Relief ermutigt, die später in Dorsten als Schwester Paula Bergleute zeichnete — Tisa von der Schulenburg.

Und 2027?

Die Ausgabe 2026 ist gelaufen, das Programm für 2027 steht noch nicht fest — auf der Seite des Festivals heißt es derzeit nur, man freue sich auf 2027. Erfahrungsgemäß wird das Programm im Frühjahr vorgestellt, gespielt wird traditionell ab dem 1. Mai. Sobald Termine feststehen, stehen sie in unserem Eventkalender.

Die Gründungsgeschichte und die Jahreszahlen stammen aus der Chronologie der Ruhrfestspiele auf ruhrfestspiele.de, nachgesehen am 29. September 2026. Stand: 28. September 2026.

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