Kino für 1,50 Euro: die Kommunalkinos im Vest
Drei Häuser im Vest zeigen Filme, die im Multiplex nicht laufen — getragen von Volkshochschulen und Ehrenamt. In Gladbeck kostet der Eintritt mit Stadtkarte 1,50 Euro, in Castrop-Rauxel stimmen die Bürger über den Dezemberfilm ab.

Es gibt im Vest eine Sorte Kino, die man nicht findet, wenn man nach Kino sucht. Sie hat keine Leuchtreklame, keine Werbeblöcke und kein Popcorn im Eimer. Sie läuft meistens freitags, oft in Räumen, die tagsüber etwas anderes sind, und sie zeigt Filme, die es ins Multiplex nicht geschafft haben oder dort längst wieder verschwunden sind.
Drei solcher Häuser haben wir im Vest gefunden — in Gladbeck, Castrop-Rauxel und Dorsten. Getragen werden sie von Volkshochschulen, einer Arbeitsgemeinschaft und einem Kino, das sich dafür hergibt. Hier ist, was bis Weihnachten läuft.
Gladbeck: das größte Programm — und der niedrigste Preis
Das Kommunale Kino der VHS Gladbeck im Haus der VHS, Friedrichstraße 55, hat von den dreien den dichtesten Spielplan: bis zum 18. Dezember stehen dreizehn Vorführungen an, fast immer freitags, meist um 18 und um 20 Uhr.
Der Preis ist der eigentliche Hingucker. Die Tageskasse verlangt 6 Euro, Schülerinnen, Studierende und Azubis zahlen 3 Euro — und mit der Gladbeck-Card sind es 1,50 Euro. Eine Viererkarte kostet 20 Euro, ermäßigt 10, mit Stadtkarte 5. Ermäßigungen gibt es nur gegen Nachweis am Einlass.
Was läuft:
- Fr, 6.11.: Der frechste Troll der Welt um 16 Uhr als Kinderkino, danach Vaterland
- Fr, 13.11.: Ticket ins Leben
- Fr, 27.11.: Frühstück bei Audrey
- Fr, 4.12.: Mission Mäusejagd für Kinder, danach Rocky
- Fr, 11.12.: Kalter Hund
Drei Abende, an denen es nichts kostet
Dreimal verlangt Gladbeck gar keinen Eintritt:
- Fr, 20.11., 16 Uhr: Geschichten vom Franz, Kinderkino
- Fr, 20.11., 18 Uhr: Feminism WTF, Dokumentarfilm ab 12
- Fr, 18.12., 16 Uhr: Kurzfilmtag, rund dreißig Minuten Trickfilm
Und einmal im Jahr wird es kurios: Am Samstag, 28. November, läuft das Strick-Kino. Einlass ab 12 Uhr, Film ab 13 Uhr, 11 Euro inklusive Kaffee und Gebäck — man bringt Wolle und Nadeln mit und strickt, während „Der wunderbare Garten der Bella Brown" läuft. Mit Gladbeck-Card kostet das 6,50 Euro.
Ein praktischer Hinweis, den das Haus selbst gibt: Ab dem 7. Dezember stehen die barrierefreien Sanitäranlagen wegen Umbauarbeiten nicht zur Verfügung.
„In Gladbeck kostet der Kinoabend mit Stadtkarte 1,50 Euro. Ein Ticket im Multiplex kostet das Achtfache."
Castrop-Rauxel: Das Publikum wählt den Film
Das Bürgerkino Castrop-Rauxel ist das kleinste und zugleich eigenwilligste der drei. Gespielt wird in der Aula des Adalbert-Stifter-Gymnasiums, veranstaltet von der VHS Castrop-Rauxel gemeinsam mit der Kino AG. Karten kosten 6 Euro im Vorverkauf, erhältlich bei der VHS an der Widumer Straße 26; an der Abendkasse lässt sich reservieren.
Am Donnerstag, 5. November, 19 Uhr läuft Good Bye, Lenin!.
Der Dezembertermin, Donnerstag, 10. Dezember, steht dagegen noch nicht fest — und zwar mit Absicht: Über den Film stimmen die Bürgerinnen und Bürger ab. Zur Wahl stehen „Bang Boom Bang" und „Das Wunder von Bern". Ein Revierkomödie gegen ein Revierwunder; man ahnt, dass das knapp wird.
Dorsten: Kommunalkino im richtigen Kinosaal
In Dorsten läuft das Kommunale Kino dort, wo sonst das reguläre Programm läuft: im Central Kino Center, Borkener Straße 137. Der Eintritt kostet 7,50 Euro — von den dreien der höchste Preis, dafür sitzt man im echten Kinosessel.
- Mi, 4.11.: Im Spiegel meiner Mutter, 17:30 und 20 Uhr
- Mi, 11.11.: Vaterland, 17:30 Uhr
Wer aufmerksam liest, erkennt eine Überschneidung: „Vaterland" läuft in beiden Städten — am 6. November in Gladbeck, am 11. November in Dorsten. Wer den Termin in Gladbeck verpasst, bekommt fünf Tage später eine zweite Gelegenheit, achtzehn Kilometer weiter nördlich.
Warum das mehr ist als ein günstiger Kinoabend
Kommunale Kinos sind kein Nischenhobby, sondern eine kulturpolitische Entscheidung: Eine Stadt bezahlt dafür, dass Filme laufen, die sich kommerziell nicht rechnen — Dokumentarfilme, Kinderfilme ohne Lizenzware, alte Klassiker. Dass Gladbeck für drei Abende gar nichts verlangt und für die übrigen 1,50 Euro mit Stadtkarte, ist keine Preispolitik, sondern ein Angebot an Leute, für die 14 Euro Eintritt eine Hürde sind.
Und es erklärt, warum diese Häuser so schwer zu finden sind: Sie haben kein Marketingbudget. Das Gladbecker Programm steht auf den Seiten der Volkshochschule, das Castroper bei einer Arbeitsgemeinschaft, das Dorstener im Kalender der Stadtagentur. Wir haben alle drei in unseren Eventkalender übernommen.
Angaben nach den Seiten der VHS Gladbeck, des Bürgerkinos Castrop-Rauxel und der Stadtagentur Dorsten, nachgesehen am 30. Oktober 2026. Die Gladbecker Preisliste trägt das Datum 7. August 2023; wir geben sie wieder, wie sie dort steht. Stand: 30. Oktober 2026.





