Sechs Quadratkilometer, die kaum jemand betritt
Der Chemiepark Marl ist der drittgrößte Chemiestandort Deutschlands — mit eigenem Schienennetz, eigenem Kraftwerk und 1.200 Kilometern Rohrleitung. Ein Blick auf die Zahlen des größten Nachbarn im Vest.

Man fährt daran vorbei und sieht Rohre. Wer in Marl wohnt, sieht sie täglich, wer aus Recklinghausen oder Haltern kommt, kennt die Silhouette am Horizont. Von innen kennt den Chemiepark Marl kaum jemand, der nicht dort arbeitet — dabei ist er das größte zusammenhängende Stück Industrie im ganzen Vest.
Eine Stadt ohne Einwohner
Die Zahlen, die der Standort selbst nennt, machen die Größenordnung deutlich:
- 6 Quadratkilometer Fläche — mehr als mancher Stadtteil
- rund 100 Produktionsanlagen auf etwa 600 Hektar
- 55 Kilometer eigenes Straßennetz
- 100 Kilometer eigenes Schienennetz
- 1.200 Kilometer Rohrleitungen, dazu 30 Kilometer Rohrbrücken
Gegründet wurde der Standort 1938. Heute ist er nach eigenen Angaben der drittgrößte Chemiestandort Deutschlands und der größte Produktionsstandort von Evonik. Die Anlagen hängen stofflich und energetisch zusammen und laufen zum größten Teil rund um die Uhr; eigene Gas- und Dampfturbinenkraftwerke liefern die Energie dafür.
„1.200 Kilometer Rohrleitung — das ist ungefähr die Strecke von Marl nach Rom, zusammengefaltet auf sechs Quadratkilometer."
Warum das die Region angeht
Ein Standort dieser Größe ist für das Vest zweierlei: Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb. In diesem Jahr haben 107 Auszubildende ihre Abschlussprüfungen bestanden — Absolventinnen und Absolventen der Standorte Marl, Herne und weiterer Orte. Evonik gehört nach eigener Darstellung zu den größten Ausbildungsbetrieben Deutschlands; bundesweit starteten Anfang September rund 370 Nachwuchskräfte in Ausbildung oder duales Studium.
Wer im Vest über Strukturwandel spricht, meint meistens die Zechen. Der Chemiepark erzählt die andere Hälfte der Geschichte: Er ist älter als das Ende des Bergbaus und läuft weiter.
Was wir nicht sagen können
Wie viele Menschen dort insgesamt arbeiten und wie viele Firmen am Standort sitzen, nennt die Website nicht in einer Form, die wir sauber übernehmen könnten — deshalb steht hier keine Zahl. Wir fragen nach und tragen sie nach.
Alle Angaben stammen von chemiepark-marl.de, nachgesehen am 29. September 2026. Stand: 28. September 2026.


